Einsatz einer Abwasserwärmepumpe im Neckarpark, Stuttgart

Im neuen Wohn- und Gewerbegebiet Neckarpark in Stuttgart werden 850 Einheiten über ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz mit Abwasserwärme versorgt. 

Bewertung der Best Practice

THG Einsparungen:

★★☆

Einfache Umsetzung:

★★☆

Wirtschaftlichkeit:

★★☆

Weitere Vorteile:

Ja

Öffentliche Wirkung:

Akzeptanzförderung

Ausgangspunkt

Stuttgart

610331 Tsd Einwohner:innen

 

 

Sektor Wärme

Das neue Wohn- und Gewerbegebiet Neckarpark in Stuttgart wurde als Niedrigenergiehausquartier angelegt und verfügt über Europas derzeit größte Abwasserwärmenutzungsanlage. Auf insg. 22 Hektar werden 850 Wohn- und Gewerbeeinheiten über ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz mit Abwasserwärme versorgt. Mittels eines 300 m langen Wärmetauschers im nahegelegenen Abwasserkanal (kanalintegriert u. Bypass) werden 2,1 MW entzogen.  

 

THG Einsparungen ★★☆

Durch die Wärmeversorgung im Quartier Neckarpark wird eine CO2-Minderung von ca. 22 % erreicht.

Die Top-Maßnahme fasst die UBA-Maßnahmen Nr. 16 und Nr. 19 zusammen. Für UBA-Maßnahme Nr. 16 wurde ein Einflusspotenzial von 3,0 t CO2-Äq. errechnet, für UBA-Maßnahme Nr. 19 ein Einflusspotenzial von 6,55 t CO2-Äq.

Einfache Umsetzung ★★☆

Der Betrieb erfolgt durch die Energiedienste der Landeshauptstadt Stuttgart GmbH (EDS), eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Stuttgart. Das Grundstück war bereits zuvor im Besitz der Stadt Stuttgart, weshalb sich keine Zugriffsprobleme auf den Kanal ergaben. Zur Installation von Abwasserwärmenutzungsanlagen müssen zunächst Karten-Informationen zu den Kanalnetzen vorliegen, anschließend sind aufwendige Baumaßnahmen erforderlich.

Wirtschaftlichkeit ★★☆

Grundsätzlich ist die Wirtschaftlichkeit von Abwasserwärmenutzungsanlagen durch die thermische Qualität der Gebäude und die Siedlungsdichte bedingt. Für das Stadtquartier Neckarpark wurden die Wärmegestehungskosten verschiedener Alternativen abgewogen, die Kombination von Abwasserwärme und BHKW stellte die günstigste Variante dar. Dank der geringen Vorlauftemperaturen und der räumlichen Dichte des Niedertemperatur-Nahwärmenetzes verringern sich die Betriebskosten und Netzverluste zusätzlich. Die Konzeption und bauliche Umsetzung des neuen Quartiers inkl. Energiekonzept wurde mit 3,8 Mio. Euro durch die Forschungsinitiative EnEff:Wärme des BMWi gefördert.

Weitere Vorteile
Ja

Privatpersonen, welche die Wohngebäude des Neubaugebiets Neckarpark beziehen, profitieren finanziell von der Wärmeversorgung durch Abwasser. Die Vollkosten sind niedriger und langfristig preisstabiler als bei herkömmlichen Heizungen. Darüber hinaus entfallen Unterhalts- und Wartungskosten, da diese von der Betreibergesellschaft übernommen werden.

Öffentliche Wirkung
Akzeptanzförderung

Der (potenziell) günstige Wärmebezug schafft Anreize und Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Wärme.

Zukunftsaussichten

Durch die Wärmeversorgung im Quartier Neckarpark wird eine CO2-Minderung von ca. 22 % erreicht.

Die Top-Maßnahme fasst die UBA-Maßnahmen Nr. 16 und Nr. 19 zusammen. Für UBA-Maßnahme Nr. 16 wurde ein Einflusspotenzial von 3,0 t CO2-Äq. errechnet, für UBA-Maßnahme Nr. 19 ein Einflusspotenzial von 6,55 t CO2-Äq.

Weitere Beispiele

In Hamburg wird aktuell von den beiden städtischen Unternehmen Hamburg Wasser und Hamburger Energiewerke eine Abwasserwärmepumpe mit einer Leistung von 60 MW auf dem Gelände des Klärwerks Hamburg am Standort Dradenau installiert. Mit der Abwasserwärme sollen ab 2025 bis zu 39.000 Wohneinheiten versorgt und 66.000 t CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden.  

https://www.hamburgwasser.de/umwelt/energiegewinnung/abwasserwaerme

https://gwf-wasser.de/forschung-und-entwicklung/klimafreundliche-waermeerzeugung-aus-abwasser/

Quellen

https://www.stadtwerke-stuttgart.de/media/filer_public/75/75/757512c4-7972-4a5a-b8d6-341f6499101d/2023_projektsteckbrief_energiekonzept_neckarpark.pdf

https://sdg21.eu/db/beubauquartier-neckarpark-stuttgart

https://www.kea-bw.de/klimaschutzland-bw/waermewende-stuttgart

https://www.ifeu.de/fileadmin/uploads/ifeu-bmu_Abwaermepotenzial_Abwasser_final_update.pdf