Kreislaufwirtschaft im Bausektor

Work in progress

Ziel der Kreislaufwirtschaft im Bausektor ist es, die Emissionen von Gebäuden zu reduzieren – durch eine Stärkung des Bestands und durch Neubau mit bestehenden Bauteilen.

In den letzten Jahren wurden durch Energieeinspargesetze und Förderprogramme immer höher werdende energetischen Standards gefordert, die durch immer besser gedämmte Bauteile erreicht werden sollen. In dem gesamten Prozess wird allerdings häufig übersehen, dass ca. 50% des Energieverbrauchs über den gesamten Lebens­zyklus des Gebäudes allein zur Herstellung benötigt wird.

Während in Deutschland Wohnungsnot herrscht, liegt die Leerstandquote landesweit bei 2,8%. Gleichzeitig werden noch intakte Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Der Gedanke der Kreislaufwirtschaft strebt dem entgegen. Warum abreißen, was gut ist? Warum neu produzieren, was es schon gibt? Es geht hier nicht um Verzicht, sondern um ein Umdenken. Durch einen neuen Entwurfs- und Bauprozess lassen sich Emissionen einsparen.

Die wichtigste Maßnahme dabei ist: Bestand erhalten. Die Stadt sollte als Materiallager gesehen werden. Der Fokus muss mehr auf dem Umbau und der Sanierung von Gebäuden, statt auf dem Neubau liegen. Denn gerade die Erstellung der Primärstruktur, der Tragstruktur, ist sehr energieintensiv, was v.a. daran liegt, dass vorwiegend mit Beton gebaut wird. Gut 8% der globalen Treibhausgasemissionen sind der Zementherstellung zuzuschreiben. Neben der Primärstruktur lassen sich auch Bauteile wie Fenster, Türen, Fliesen oder weitere Ausbauten wiederverwenden. Das ist wichtig, denn neben den hohen Emissionen, die durch Herstellung, Transport, Einbau und Instandsetzung emittiert werden, werden unserer Umwelt mit jedem neuen Bauteil nicht nachwachsende, natürliche Ressourcen entzogen.

Neben der Wiederverwendung ist das Design for Dissassembly wichtig für die Umsetzung nachhaltiger Architektur. Design for Dissassembly meint, dass alles, was wir verbauen, rückbaubar konstruiert werden muss. Während Fügungen durch Klebstoff häufig verhindern, dass Materialien wiederverwendet werden können, ermöglichen verschraubte Verbindungen, dass sie wieder rückgebaut werden können. So können Materialien einfacher in den Materialkeislauf zurückgeführt werden, ohne an Qualität zu verlieren. Generell gilt, dass dort, wo gebaut wird, möglichst mit nachwachsenden, biobasierten Rohstoffen gebaut werden muss. Die Kreislaufwirtschaft erfordert heute ein Umdenken des Entwurfsprozesses, neue Akteur:innen und neue Logistikprozesse. Dies ist allerdings notwendig, um unsere Klimaziele zu erreichen.

Kommunen können

  • Materiallager und Bauteilkataloge in ihrer Stadt aufbauen;
  • den Aufbau von Bauteilbörsen unterstützen für Beschaffung von kleineren gebrauchten Bauteilen und Möbelstücken;
  • in eigenen Projekten zeigen, dass auch „alte“ Materialien durch gezielte Eingriffe wieder ertüchtigt und dessen Lebenszyklus deutlich verlängert werden kann, siehe z.B. Fassadensanierung in Basel;
  • hohe reuse-Anforderungen für die Entwicklung von kommunalem Bauland anwenden, z.B. durch die Auslobung von Wettbewerben o.ä. (Pilotprojekt Schliengerweg, Basel / Walkeweg, Basel)

 

Weitere Infos unter:

Gute Beispiele

  • Kommunale Materiallager und Bauteilkataloge z.B. in Zürich oder in Basel v.a. für die energieintensiven Primärbauteile
  • Bauteilbörse, z.B. die Bauteilbörse Bremen

Navigation

Anregungen, Ergänzungen? Schreib uns einen Kommentar...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert